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Die wichtigsten Änderungen nach der Reform des Berufsbildungsgesetzes

Ausbildungsverhältnis und Ausbildungszeit

Verlängerte Probezeit möglich
§ 20 BBiG
Die maximale Probezeit kann künftig vier Monate betragen – bislang waren höchstens drei Monate Probezeit vorgesehen.

Auslandsaufenthalte
§ 2 Abs. 3 BBiG
Auslandsaufenthalte von Auszubildenden während der Lehrzeit sind nunmehr rechtlich abgesichert. Der Auslandsaufenthalt muss in Abstimmung mit dem ausbildenden Betrieb erfolgen und darf ein Viertel der Ausbildungszeit nicht überschreiten. Die Handwerkskammer ist in jedem Fall über den Auslandsaufenthalt zu informieren. Dauert der Auslandsaufenthalt länger als vier Wochen, ist ein mit der Kammer abgestimmter Plan erforderlich.

Verkürzung der Ausbildungszeit
§ 8 Abs. 1 S. 1 BBiG, § 27b Abs. 1 S. 1 HwO
Ein Antrag auf Verkürzung der Ausbildungszeit, z. B. aufgrund besonders guter Leistungen des Auszubildenden, muss gemeinsam von Auszubildendem und Ausbildendem gestellt werden.

Teilzeitberufsausbildung
§ 8 Abs. 1 S. 2 BBiG, § 27b Abs. 1 S. 2 HwO
Neu aufgenommen in das Berufsbildungsgesetz wurde die Möglichkeit der Teilzeitberufsausbildung: Die tägliche oder wöchentliche Ausbildungszeit kann reduziert werden, während sich an der Gesamtdauer der Ausbildungszeit nichts ändert.
Voraussetzungen: Es ist zu erwarten, dass das Ausbildungsziel in der verkürzten Zeit erreicht wird und es muss ein »berechtigtes Interesse« an einer Reduzierung geltend gemacht. Hier kommen z.B. die Betreuung eines eigenen Kindes oder eines pflegebedürftigen nahen Verwandten des Auszubildenden in Betracht.

Anrechnung der beruflichen Vorbildung auf die Ausbildungszeit
§ 7 BBiG, § 27a HwO
Bislang legten Bundesverordnungen zur Anrechnung der Berufsgrundbildungsjahre bzw. der Berufsfachschuljahre fest, dass bestimmte Bildungsgänge in einem gewissen Umfang auf die Ausbildungszeit angerechnet werden müssen. Diese Anrechnungsverordnungen gelten nur noch bis 31. Juli 2006.
Ab 1. August 2006 müssen keine Berufsgrundbildungs- bzw. Berufsfachschuljahre mehr angerechnet werden - es sei denn, die Bundesländer haben eigene Rechtsverordnungen erlassen. Diese können bestimmen, dass der Besuch eines Bildungsganges berufsbildender Schulen ganz oder teilweise auf die Ausbildungszeit angerechnet wird. Die Länder können auch festlegen, ob ein entsprechender Antrag auf Anrechnung der beruflichen Vorbildung von Auszubildendem und Ausbilder gemeinsam gestellt werden muss.
Ab 1. August 2009 ist – unabhängig von dann bestehenden Rechtsverordnungen – zwingend vorgeschrieben, dass ein Antrag auf Anrechnung von beruflicher Vorbildung auf die Lehrzeit von beiden Parteien gemeinsam gestellt werden muss.

Verbundausbildung
§ 10 Abs. 5 BBiG
Neu in das Berufsbildungsgesetz aufgenommen wurde die Verbundausbildung: Mehrere Betriebe (mindestens zwei) schließen sich zusammen, um gemeinsam einen Lehrling auszubilden. Besonders vorteilhaft ist dieses Ausbildungsmodell für hoch spezialisierte, neu gegründete oder sehr kleine Betriebe.

Gestaltung neuer Ausbildungsordnungen

Bei neuen oder neu geordneten Ausbildungsberufen können folgende Gestaltungselemente in die Ausbildungsordnungen aufgenommen werden:

Stufenausbildung oder »Ausstiegsmodell«
§ 5 Abs. 2 Nr. 1 BBiG, § 26 Abs. 2 Nr. 1 HwO
Kennzeichnend für dieses Modell ist, dass die Jugendlichen ihre Ausbildung nach der ersten Stufe mit einem Ausbildungsabschluss (keinem Berufsabschluss !) beenden. Erst am Ende der zweiten Stufe erwerben die Auszubildenden nach Bestehen der Gesellen-/Abschlussprüfung einen anerkannten Berufsabschluss. Die Ausbildungsverträge werden über die gesamte Ausbildungsdauer geschlossen; der Auszubildende kann die Ausbildung nach der ersten Stufe durch Kündigung beenden.
Bislang gibt es keine Ausbildungsordnung, die eine Stufenausbildung im Sinne des Berufsbildungsgesetzes vorsieht.

Anrechnungsmodell
§ 5 Abs. 2 Nr. 4 BBiG, § 26 Abs. 2 Nr. 4 HwO
Bei diesem Modell bauen mehrere zwei- und dreijährige Ausbildungsberufe aufeinander auf. Abgeschlossen wird zunächst ein zweijähriger Ausbildungsvertrag. Nach dessen Beendigung können Lehrling und Ausbilder vereinbaren, dass die Ausbildung in einem darauf aufbauenden Beruf fortgeführt wird.

Zusatzqualifikationen
§ 5 Abs. 2 Nr. 5 BBiG, § 26 Abs. 2 Nr. 5 HwO
Ausbildungsordnungen können künftig Zusatzqualifikationen festlegen, die über die eigentlichen Anforderungen des Berufs hinausgehen. Betrieb und Auszubildender können diese Zusatzqualifikationen vertraglich vereinbaren. Die Zusatzqualifikationen müssen gesondert geprüft und bescheinigt werden.

Prüfungswesen

Gestreckte Gesellen- und Abschlussprüfungen
§ 5 Abs. 2 Nr. 2 BBiG, § 26 Abs. 2 Nr. 2 HwO
Dieses Prüfungsmodell kann bei der Neuordnung von Ausbildungsberufen anstelle der Gesellen-/Abschlussprüfung in bisheriger Form treten: Die Gesellen-/Abschlussprüfung wird in zwei Teile geteilt; die Ergebnisse aus beiden Teilen bilden das Gesamtergebnis. Die bisherige Zwischenprüfung entfällt bei diesem Modell.

Prüfungsergebnisse – Mitteilung an den Betrieb
§ 37 Abs. 2 S. 2 BBiG, § 31 Abs. 2 HwO
Der Ausbildungsbetrieb hat auf Verlangen Anspruch auf Mitteilung der Ergebnisse der Gesellen-/Abschlussprüfung des Auszubildenden.

Gesellenprüfungs-/Abschlusszeugnis
§ 37 Abs. 3 BBiG, § 31 Abs. 3 HwO
Das Gesellenprüfungs- bzw. Abschlusszeugnis wird auf Antrag des Auszubildenden ins Englische und Französische übersetzt.
Auch kann die Abschlussnote der Berufsschule auf Antrag des Auszubildenden in das Gesellenprüfungs-/Abschlusszeugnis aufgenommen werden.

Zulassung zur Gesellen-/Abschlussprüfung nach Besuch einer Vollzeitschule
§ 43 Abs. 2 BBiG, § 36 Abs. 2 HwO
Absolventen vollzeitschulischer Bildungsgänge können zur Gesellen-/Abschlussprüfung zugelassen werden, wenn der Ausbildungsgang einem anerkannten Ausbildungsberuf entspricht. Neu ist, dass im Gesetz Mindestanforderungen definiert sind, die diese Bildungsgänge erfüllen müssen. Die Bundesländer wurden ermächtigt zu bestimmen, welche Bildungsgänge diesen Kriterien entsprechen. Teilnehmer dieser Bildungsgänge müssen bei Vorliegen einer entsprechenden Verordnung zur Kammer-Prüfung zugelassen werden.
Personalentscheider in Betrieben können bei Gesellen/Facharbeitern dann nicht mehr ohne weiteres davon ausgehen, dass der/die Bewerber/in eine duale (betriebliche) Ausbildung abgeschlossen hat.

Gesellen-/Abschlussprüfung ohne Ausbildung (sog. Externenprüfung)
§ 45 Abs. 2 BBiG, § 37 Abs. 2 HwO
Wer das 1½-fache der Ausbildungszeit im angestrebten Beruf gearbeitet hat, kann auch ohne Lehre eine Gesellenprüfung ablegen. Beispiel: Bei einem Beruf mit dreijähriger Ausbildungszeit sind 4,5 Jahre Berufserfahrung erforderlich.

Ausbildungsberechtigung

Anforderungen an Ausbilder
§ 28, 30 BBiG, §§ 22, 22b HwO
Das bislang erforderliche Mindestalter für Ausbilder von 24 Jahren entfällt; stattdessen verlangt der Gesetzgeber, dass der Ausbilder nach der Gesellen-/Abschlussprüfung eine »angemessene« Zeit in seinem Beruf praktisch tätig gewesen sein muss.

Weiterführende Links

Digitaler Berufsausbildungsvertrag in neuer Version verfügbar >>
Lehrstellen und Praktikumsbörse >>
Emnid-Befragung zum Thema »Ausbildungsabbrüche« [PDF] >>


www.handfest-online.de >>