WHKT-REPORT 01/2012
Schlaglichter 2012 – eine Vorausschau
Was für Unternehmen gilt, gilt für die Arbeit in Verbänden, Kammern und Organisationen gleichermaßen: Erfolgreiche Strategien setzen voraus, dass man nicht nur den Markt von heute, seine Möglichkeiten und Mechanismen kennt bzw. um die gegenwärtigen Interessen seiner Mitglieder weiß, sondern gleichfalls immer auch die Zukunft darauf anwendet. Die Frage, die wir uns regelmäßig stellen, lautet demnach: Was kommt auf uns zu, wie ändern sich die Rahmenbedingungen und was sollten wir heute bereits unternehmen, um vorbereitet zu sein?
Nachfolgend haben wir daher einiges an Themen, Entwicklungen und Fakten aufgeführt, die nach unserer Einschätzung im Jahr 2012 das Handwerk und seine Organisationen bewegen werden.
Raesfelder Schlossgespräche
Am 23. April gibt es den Auftakt der Raesfelder Schlossgespräche, einer neue Veranstaltungsreihe des WHKT zur Förderung des Dialogs der handwerklichen Spitzenvertreter mit verschiedenen gesellschaftlichen Gruppen.
Handwerkstage 2012 wieder in Köln
Auch im Jahr 2012 wird es wieder Handwerkstage NRW geben. Vom 8. bis 10. November 2012 finden die zentralen Veranstaltungen des Handwerks Nordrhein-Westfalen in Köln statt. Vorgesehen sind neben Gremiensitzungen von NWHT, LFH und LGH der Rheinische Abend der Handwerkskammer zu Köln sowie vorbehaltlich entsprechender Förderzusagen des Landes Nordrhein-Westfalen der 18. Europäische Aus- und Weiterbildungskongress und der 1. Tag des Meisters NRW. Außerdem sollen der 13. Europäische Gesellentag und der Sachverständigentag der Handwerkskammer zu Köln stattfinden.
Inkrafttreten des Anerkennungsgesetzes
Zum 1. April 2012 hat jeder einen Anspruch auf ein Verfahren zur Feststellung, inwieweit eine im Ausland erworbene Qualifikation mit einer deutschen Referenzqualifikation gleichwertig ist. Die Kammern sind zuständig und der WHKT hat dazu zusätzlich zu seinen Arbeitskreisen eine bundeslandübergreifende Arbeitsgruppe zwecks Erfahrungsaustausch eingerichtet.
Neues Mittelstandsgesetz NRW wird verabschiedet
Nachdem das alte Mittelstandsgesetz NRW aufgrund seiner Befristung ausgelaufen ist und die alte Landesregierung keine Initiative unternommen hatte, es zu verlängern oder ein neues zu beschließen, hat im Jahr 2011 die derzeitige nordrhein-westfälische Landesregierung ein neues Mittelstandsgesetz angekündigt. Eine entsprechende Zusage war Bestandteil der Handwerksinitiative NRW. In einem Dialog unter Beteiligung des Westdeutschen Handwerkskammertags sind die Eckpunkte entwickelt worden. Für das Jahr 2012 ist nunmehr die parlamentarische Beratung und Beschlussfassung vorgesehen.
Dichtheitsprüfung; Gesetzesentwurf des Gesetzes zur Änderung des Landeswassergesetzes
Umweltminister Remmel gab am 14.12.2011 bekannt, die Dichtheitsprüfung und Umsetzung des Bundesgesetzes in Nordrhein-Westfalen durch das Landeswassergesetz von 2007 nachzubessern und im Januar 2012 eine entsprechende Gesetzesnovelle einzubringen. Der WHKT sieht die Landesregierung in der Verantwortung, den derzeitigen faktischen Stillstand der Dichtheitsprüfung umgehend aufzuheben und das Handwerk bei den Diskussionen und der Novelle des Gesetzes einzubeziehen.
Handwerksinitiative NRW in der Umsetzung
Die neue Handwerksinitiative NRW der nordrhein-westfälischen Landesregierung befindet sich in sieben von neun Elementen bereits in der Umsetzung. Im Jahr 2012 wird nach Beschlussfassung über den NRW-Landeshaushalt noch der Innovationsscheck Handwerk sowie die Verlängerung der Zukunftsinitiative Handwerk NRW 2013–2015 umgesetzt.
Abiturienteninitiative 2013
Die Handwerkskammern werden sich, beginnend in 2012, der Herausforderung des doppelten Abiturjahrgangs in 2013 offensiv stellen und mit gezielten Angeboten den Zugang zu Schulleitungen und Stubos der Gymnasien finden.
Verabschiedung des Deutschen Qualifikationsrahmens (DQR) und Einsortierung der Abschlüsse
Nach heftigem Streit zwischen der Kultusseite und allen anderen Akteuren um die Einstufung des Abiturs in eine der acht Stufen ist eine Einigung zu erwarten, damit der Deutsche Rahmen verbindlich erklärt werden kann. Deutschland muss seinen DQR im Frühjahr in Brüssel vorstellen. Es ist zu erwarten, dass auch eine BBiG-Änderung vorbereitet wird, damit die EQR-Stufe im jeweiligen Zeugnis einer Qualifikationsprüfung aufgenommen wird.
»Neues Übergangssystem« in NRW – Startschuss in mindestens der Hälfte des Landes
Nach den bereits feststehenden sieben »Referenzkommunen« werden im Laufe des Jahres weitere 20 Gebietskörperschaften aus NRW hinzukommen, um grundlegende Veränderungen in der Berufsorientierung und im bisherigen Übergangssystem vorzunehmen und alle Prozesse so einzuleiten, um flächendeckend ein »Neues Übergangssystem«, wie im Ausbildungskonsens NRW vereinbart, zu schaffen. Die Wirtschaftsvertreter vor Ort sind aufgerufen, sich schnellstmöglich einzubinden, um als wesentliche Partner auch maßgeblich mitreden zu können.
Rechtsvorschriften für Berufskollegs werden überarbeitet
Da sich verschiedene Bildungsangebote der Berufskollegs ab Sommer 2013 ändern sollen, wird die entsprechende Ausbildungs- und Prüfungsordnung (APO-BK) derzeit im Schulministerium umformuliert.
Kooperationsvereinbarung zwischen Betrieben, Berufskollegs und überbetrieblichen Ausbildungszentren
Eine im Jahr 1995 entstandene Kooperationshandreichung wird derzeit von WHKT und Schulministerium überarbeitet, soll im Jahr 2012 auf Basis der aktuellen Rechtsgrundlagen und auf der Erfahrung der vergangenen 16 Jahre neu aufgelegt werden und für eine weitere Verbesserung der Zusammenarbeit der dualen Partner sorgen.
Neues Portal für Design im Handwerk NRW
Am 29. Februar 2012 wird das neue Internetportal www.design-handwerk-nrw.de freigeschaltet. Wie innerhalb der Handwerksinitiative NRW im Rahmen einer Pressekonferenz unter Beteiligung von NRW-Wirtschaftsminister Harry Kurt Voigtsberger, NWHT-Präsident Prof. Wolfgang Schulhoff und WHKT-Hauptgeschäftsführer Reiner Nolten angekündigt, startet eine Dachmarke für Design im Handwerk NRW.
DesignTalente Handwerk NRW unter Schirmherrschaft von Ministerpräsidentin Kraft
Zum 25. Mal findet im Jahr 2012 der Wettbewerb DesignTalente Handwerk NRW für junge Handwerker bis zum Alter von 30 Jahren statt. Der früher Gestaltungswettbewerb Junges Handwerk genannte Wettbewerb ist für das Jahr 2012 bereits gestartet. Informationen zur Teilnahme gibt es auf der Internetseite www.designtalente-handwerk-nrw.de. Die Sieger werden am 22. September 2012 um 11.00 Uhr im NRW-Forum in Düsseldorf geehrt. Anschließend findet die Ausstellung vom 22.09. bis 03.10.2012 statt.
Schlussfeier Leistungswettbewerb des Deutschen Handwerks mit NRW-Arbeitsminister Guntram Schneider am 27. Oktober 2012
Auch im Jahr 2012 findet auf Innungs-, Kammer-, Landes- und Bundesebene der Leistungswettbewerb des Deutschen Handwerks (PLW) statt. Die Landessieger NRW werden geehrt am 27. Oktober 2012 in Düsseldorf unter Beteiligung von NRW-Arbeitsminister Guntram Schneider. Die Schirmherrschaft hat auch für das Jahr 2012 Ministerpräsidentin Hannelore Kraft übernommen.
XENOS-Projekt Qualifizierungsinitiative für Migrantinnen und Migranten im Handwerk (QM-Initiative)
Anfang 2012 erhielt der WHKT den Bewilligungsbescheid auf Fördermittel aus dem Europäischen Sozialfonds und des BMAS für das Programm XENOS-Integration und Vielfalt. Im Projektverbund mit der Handwerkskammer zu Köln, dem Bildungszentrum des Baugewerbes e.V. und der imap GmbH koordiniert der WHKT die Umsetzung der bis längstens Dezember 2014 angelegten Initiative. Zielgruppe des Projektes sind ungelernte oder niedrig qualifizierte Migrantinnen und Migranten, deren ausländischer Abschluss nicht anerkannt wurde oder die ihr Potenzial beruflicher Qualifizierung kaum ausschöpfen. Umsetzung in vier Projektphasen: 1: Ansprache, 2: Beratung und Kompetenzfeststellung, 3. Qualifizierung, 4: Interkulturelle Personalentwicklung.
Beteiligung des WHKT am Netzwerk IQ (Integration durch Qualifizierung)
Im Rahmen seiner Beteiligung am bundesweiten IQ-Netz wird der WHKT insbesondere bei der Umsetzung des Anerkennungsgesetzes Medien entwickeln und Maßnahmen gemeinsam mit den regionalen Anerkennungserstberatungsstellen umsetzen. Darüber hinaus wird der Themenbereich »Qualifizierung von An- oder Ungelernten mit Migrationsgeschichte« Raum einnehmen. Gefördert wird das bundesweite Netzwerk IQ vom BMAS, dem BMBF und der BA.
Tag des Handwerks am 15. September 2012
Im Rahmen der bundesweiten Imagekampagne, die 2012 im dritten Jahr umgesetzt wird, wird zum zweiten Mal ein bundesweiter Tag des Handwerks stattfinden. Vorgesehen für die Veranstaltungen in Betrieben und durch die unterschiedlichen Handwerksorganisationen ist der 15. September 2012.
WEB 2.0 und die Jugend – das Handwerk in NRW und der Nachwuchs
Social Media und die Möglichkeiten einer effizienten Jugendansprache seitens des Handwerks wurden und werden vielfach diskutiert. Zur Entwicklung einer möglichen Strategie bereitet der WHKT gemeinsam mit seinen beiden Arbeitskreisen Berufsbildung und Multimedia eine Fachtagung für die Kammern in NRW vor. Ziel ist der Entwurf einer möglichen gemeinsamen Strategie, um zukünftig auch diese Kommunikationskanäle für die Ansprache und Überzeugung eines qualifizierten Handwerksnachwuchses zu nutzen.
Neue Schrift zur Bedeutung der ÜLU
Die besondere Bedeutung der überbetrieblichen Lehrlingsunterweisung (ÜLU) als Beitrag zur Qualitätssicherung der Ausbildung im Handwerk und ihre Funktion, auch Kleinstbetrieben die Ausbildung zu ermöglichen, ist unbestritten, aber längst nicht jedem bekannt. Deshalb ergänzen WHKT und LGH ihre gemeinsame Schriftenreihe um dieses Thema in 2012.
Europa
Nach einer gut zweijährigen Phase, die wesentlich von Strategien und Plänen gekennzeichnet war, steht uns europapolitisch nun eine Periode intensiver Gesetzgebungstätigkeit bevor.
Im zweiten Halbjahr 2011 hat die Europäische Kommission die »Maschinerie« angeworfen. Sie hat eine Reihe von Vorschlägen vorgelegt, die das Handwerk im Jahr 2012 beschäftigen werden. Dazu gehören die Energieeffizienzrichtlinie, das europäische Vertragsrecht sowie die Überarbeitung der Berufsanerkennungsrichtlinie und der Vergaberichtlinien. Hinzu kommt als weiterer wichtiger Bereich die Neufassung der Förderprogramme für die Zeit nach 2013. Für das Handwerk von besonderer Bedeutung: die Zukunft der Strukturfonds und »Erasmus für alle«, das Nachfolgeprogramm zum Aktionsprogramm »Lebenslanges Lernen«.
Das Arbeitsprogramm der Europäischen Kommission für 2012 gibt Hinweise auf weitere Gesetzesvorhaben. Zu nennen sind beispielsweise die Überarbeitung der F-Gase-Verordnung und mehrerer Rechtsakte zum Wasserrecht, ein Vorschlag zur Portabilität von Rentenansprüchen, ein Hygienepaket und ein Instrument zur alternativen Streitbeilegung für B2B-Geschäfte. Und die Europäische Kommission wird in den kommenden Monaten die Revision der Luftreinhaltepolitik und des Beihilferechts vorbereiten. Deren Überarbeitung steht 2013 an.
Die »Qualifikationsanalyse« im Rahmen des Anerkennungsgesetzes: Große Aufmerksamkeit für WHKT-Projekt Prototyping
Am 11. Januar 2012 tagte zum ersten Mal der vom WHKT zum Projekt Prototyping eingerichtete Beirat in Düsseldorf. Mit dabei waren Vertreter vom Bundesbildungsministerium (BMBF), Bundeswirtschaftsministerium (BMWi), Bundesinstitut für Berufsbildung (BIBB), Deutschen Industrie- und Handelskammertag (DIHK), Deutschen Handwerkskammertag (DHKT), Institut der Deutschen Wirtschaft, Verband der Freien Berufe, von der Fachstelle Anerkennung und Fachstelle Qualifizierung im IQ-Netzwerk sowie von verschiedenen Kammern aus Deutschland und einzelnen Verbundprojektpartnern.
Das Projekt schafft die Grundlage für eine bundesweit möglichst einheitliche Verfahrenspraxis (Verfahrensprototyp) zur Durchführung »Sonstiger Verfahren« (§ 14 Berufsqualifikationsfeststellungsgesetz/ § 50 b Abs. 4 Handwerksordnung). Diese Verfahren heißen zukünftig »Qualifikationsanalyse«.
Obwohl das Verbundprojekt, bestehend aus zehn Partnern, sein erstes Treffen am 1. September 2011 hatte, konnte der WHKT als Projektleitung bereits erste Zwischenergebnisse im Beirat präsentieren und in Aussicht stellen, welche Empfehlungen aus dem Projekt zum Inkrafttreten des Anerkennungsgesetzes zum 01.04.2012 an alle Kammern als zuständige Stelle zu erwarten seien. Dazu zählen:
- Ein Beratungsleitfaden für die Einstiegsberatung bei zuständigen Stellen (Kammern)
- Empfehlungen zur Frage, welche Experten die Qualifikationsanalyse durchführen sollen
- Empfehlungen, wie der Prozess der Qualifikationsanalyse gestaltet werden soll
- Mustervorlagen für die Abwicklung der Qualifikationsanalyse
Erste Ergebnisse nach 4 Monaten Projektlaufzeit vorzustellen war nur möglich, weil sich die sechs Handwerkskammern aus Aachen, Bayreuth, Hamburg, Hannover, Mannheim, Münster, die IHK zu Köln, die Zentralstelle für Weiterbildung im Handwerk (ZWH) und das Forschungsinstitut für Berufsbildung im Handwerk an der Universität zu Köln mit dem WHKT in verschiedenen Arbeitsgruppen stark engagieren.
Das Projekt wird gefördert vom Bundesministerium für Bildung und Forschung, um den Verwaltungsvollzug des Anerkennungsgesetzes im Hinblick auf die Anwendung der »Sonstigen Verfahren« zu standardisieren.
Vergabegrenzen des Konjunkturpakets II um ein Jahr verlängert
Die erhöhten Vergabegrenzen zur Erleichterung der Umsetzung des Konjunkturpakets II sind durch die nordrhein-westfälische Landesregierung um ein weiteres Jahr bis zum 31.12.2012 verlängert worden.
Während des Jahres 2012 wird eine bundesweite Evaluierung der Praxiserfahrung mit den erhöhten Vergabegrenzen durchgeführt, wonach in Nordrhein-Westfalen über die zukünftige Verfahrensweise entschieden werden soll.
Ausbildungskonsens NRW: Neue Arbeitsgruppen auf Landesebene
Nach dem Beschluss vom 18.11.2011 zum »Neuen Übergangssystem« hat das Land für das Jahr 2012 zwei neue Arbeitsgruppen zum Arbeitskreis Ausbildungskonsens NRW eingerichtet. Eine befasst sich mit der Umsetzungs- und Kommunikationsstrategie, um die Ziele der Systemveränderung in den nächsten Jahren auch tatsächlich zu erreichen, und tagt erstmals am 20. Januar 2012. Die andere wird Vorschläge für die Erhöhung der Attraktivität der dualen Ausbildung erarbeiten und greift Vorüberlegungen erstmalig am 31. Januar 2012 auf. In beiden Arbeitsgruppen ist der WHKT für das Handwerk in NRW vertreten.
Starthelfer Ausbildungsmanagement: Projekt »Starthelfer Ausbildungsmanagement« mit positiver Jahresbilanz 2011
Die Bilanz des Projekts »Starthelfer Ausbildungsmanagement« kann auch nach Abschluss des vergangenen Jahres als sehr positiv bezeichnet werden. So konnten im Verlauf des letzten Jahres knapp 1.500 Jugendliche in ein Ausbildungsverhältnis vermittelt und mehr als 1.700 neue Ausbildungsplätze akquiriert werden.
Ermöglicht wurde dies durch die momentan 20 Starthelfer/innen, die sich gezielt um Betriebe kümmern, die von der Problematik unbesetzter Ausbildungsstellen betroffen sind und andererseits lehrstellensuchende Bewerber/innen kontaktieren und vermitteln. Hierbei besteht ein enger Kontakt zu den Betrieben und den Jugendlichen. Des Weiteren werden Lehrkräfte, Eltern und andere Organisationen besucht, um mit den verschiedenen Zielgruppen stetigen Kontakt aufzubauen oder zu halten. Der Fokus liegt dabei neben den Betrieben auf den möglichen zukünftigen Auszubildenden, mit denen im Laufe des letzten Jahres mehr als 5.600 Beratungsgespräche geführt wurden.
Auch in diesem Jahr werden die Starthelfer/innen weiterhin Schulen und Unternehmen besuchen, um Jugendliche zu informieren und diese in passende Ausbildungsbetriebe zu vermitteln. Insbesondere werden die Jugendlichen dabei auf die hervorragenden Karrierechancen in den eher unbekannten und mit Vorurteilen behafteten Berufen und Branchen hingewiesen. Dieser Kammerservice für Betriebe aus Handwerk sowie Industrie und Handel und für Jugendliche wird mit Mitteln der EU und des Ministeriums für Arbeit, Integration und Soziales des Landes Nordrhein-Westfalen gefördert.
Weitere Informationen zum Thema erhalten Sie beim WHKT, Ansprechpartner: Alexander Windlinger, E-Mail: alexander.windlinger(at)handwerk-nrw.de.
Europa und die duale Bildung
Europa, oder besser die Europäische Kommission, steht immer wieder im Verdacht, die duale Bildung gering zu schätzen. Tut sie das wirklich?
Richtig ist, dass die berufliche Bildung in der Mehrheit der Mitgliedstaaten schulisch geprägt ist. Und in der Vergangenheit war es in der Tat so, dass von »Europa« entwickelte Modellverfahren sich oftmals an schulischen Systemen orientierten. Das war und ist ärgerlich. Aber: Politisch zeichnet sich seit dem Jahr 2008 eine Kehrtwende ab. Diese Entwicklung sollte das Handwerk wahrnehmen und befördern.
Seit einigen Jahren bereits loben Berichte der Europäischen Kommission und der OECD regelmäßig die duale Ausbildung für ihre Erfolge beim Übergang von der Ausbildung in den Beruf. Im Angesicht der Finanz- und Wirtschaftskrise gewann diese Stärke europapolitisch weiter an Bedeutung. Die Lehrlingsausbildung ist im Aufwind. Das manifestierte sich auch immer wieder in Mitteilungen der Europäischen Kommission. Ein Beispiel dafür: die Leitinitiative »Jugend in Bewegung«. Dort heißt es unter anderem:
»Das frühzeitige Sammeln von Erfahrungen am Arbeitsplatz ist eine wichtige Voraussetzung dafür, dass junge Menschen die Qualifikationen und Kompetenzen erwerben, die sie im Berufsleben benötigen. Das Lernen am Arbeitsplatz in Form einer betrieblichen Ausbildung ist ein äußerst wirksames Mittel, um junge Menschen allmählich in den Arbeitsmarkt einzugliedern. Der Einsatz betrieblicher Ausbildungsmaßnahmen und deren Qualität ist in den einzelnen Mitgliedstaaten höchst unterschiedlich ausgeprägt. Einige Mitgliedstaaten haben vor Kurzem mit der Einrichtung solcher Ausbildungsprogramme begonnen. Damit solche Programme Erfolg haben können und den Anforderungen des Arbeitsmarktes gerecht werden, sind bei ihrer Planung, Ausarbeitung, Durchführung und Finanzierung die Sozialpartner einzubeziehen. Die Maßnahmen in diesem Bereich sollten weiter vorangetrieben werden, um die Qualifikationsgrundlage im Rahmen der beruflichen Ausbildungswege zu erweitern, so dass bis Ende 2012 mindestens 5 Mio. junge Menschen in Europa die Möglichkeit haben sollten, eine betriebliche Ausbildung zu absolvieren (derzeit wird ihre Zahl auf 4,2 Mio. geschätzt).«
Am 20. Dezember 2011 veröffentlichte die Europäische Kommission nun eine weitere Initiative mit dem Titel »Chancen für junge Menschen«. Hintergrund dieser Maßnahme ist die hohe Jugendarbeitslosigkeit in einigen Mitgliedstaaten. Sie liegt in der Mehrheit der Mitgliedstaaten über 20 %. Die Lehrlingsausbildung wird als ein Hebel gesehen, die Situation junger Menschen zu verbessern. In der neuen Mitteilung heißt es deswegen:
»Lernen am Arbeitsplatz ist ein zentrales Element, wenn es darum geht, jungen Menschen den Übergang von der Schule in die Arbeitswelt zu erleichtern und für die Zukunft qualifizierte Arbeitskräfte heranzuziehen. In den letzten Jahren hat sich zwischen Behörden, Sozialpartnern und Unternehmen ein breiter Konsens dahingehend herausgebildet, dass die Berufsausbildung aus einer Kombination von Theorie und Praxis bestehen sollte (Lehrlingsausbildung oder duale Berufsausbildung).
...
In den Mitgliedstaaten muss aber auf nationaler und regionaler Ebene mehr geschehen, um mehr duale Ausbildungsmöglichkeiten zu schaffen, die auf die Bedürfnisse des Arbeitsmarkts zugeschnitten sind. Nötig ist auch ein stärkeres Engagement der Unternehmen – wie auch des öffentlichen Sektors –, jungen Menschen Arbeits- und Ausbildungsmöglichkeiten zur Verfügung zu stellen, z. B. im Rahmen ihrer Strategie zur Wahrnehmung ihrer sozialen Verantwortung. Strategische Partnerschaften zwischen den verschiedenen beteiligten Akteuren könnten als Beispiel dienen.«
Man kann einiges kritisieren an den bildungspolitischen Schwerpunkten auf europäischer Ebene. Doch sicher ist: Die duale Ausbildung erlebt zurzeit eine Wertschätzung, wie sie vor einigen Jahren in dieser Form und dieser Ausdrücklichkeit nicht vorstellbar war. Jetzt gilt es, daraus etwas zu machen.
Nachwuchs bestmöglich fördern: Kooperation mit Österreich bringt Ausbildungsvorteile
Das Potential der Auszubildenden für den eigenen Betrieb bestmöglich nutzen; diesen Vorsatz hat sich der Malerbetrieb Michael Kiwall aus Dortmund nicht für das neue Jahr, sondern schon im August 2011 für seinen neuen Ausbildungsjahrgang vorgenommen. Unterstützung bei der Realisierung seines Vorhabens erhält der Betrieb durch die Mobilitätsberatung des WHKT.
Zur Förderung der Fähigkeiten und des Wissens seines Nachwuchses bietet Herr Kiwall seinen Auszubildenden nun die Möglichkeit eines Auslandspraktikums in Österreich an. Die gesammelten Erfahrungen und das zusätzlich erworbene Know-how können die Auszubildenden nach ihrer Rückkehr in den heimischen Ausbildungsbetrieb einbringen. Ein geeigneter Betrieb im Ausland, der ebenfalls Interesse an einer dauerhaften Kooperation zum Austausch von Auszubildenden hat, konnte durch die WHKT-Mobilitätsberaterin vermittelt werden. Ebenso wurden finanzielle Fördermöglichkeiten für die Auslandsaufenthalte aufgezeigt und die Beantragung der Zuschüsse begleitet.
Mitte Januar findet zunächst ein vorbereitender Besuch des Malerbetriebs in Österreich statt, um sich gegenseitig kennenzulernen und gemeinsam die genauen Inhalte der geplanten Praktika festlegen zu können. Die ersten Entsendungen von zwei Auszubildenden nach Österreich sind für Anfang März geplant. Die Aufnahme der Gastpraktikanten wird anschließend erfolgen.
Betriebe, die ebenfalls Interesse an dem Angebot von Auslandspraktika für Auszubildende oder Mitarbeiter haben, erhalten im Rahmen des Programms »Betriebliche Mobilitätsberatung« Unterstützung bei der Planung und Durchführung der geplanten Projekte und werden über finanzielle Fördermöglichkeiten informiert. Weitere Angaben zum Programm sowie die Ansprechpartner bundesweit stehen auf www.mobilitaetscoach.de. Das Programm wird finanziell gefördert vom Bundesministerium für Arbeit und Soziales und dem Europäischen Sozialfonds.
Mitgliedsbetriebe der Handwerkskammern Dortmund und Südwestfalen können sich direkt per E-Mail an die Mobilitätsberaterin des WHKT wenden: daniela.bruchsteiner(at)handwerk-nrw.de. Die anderen fünf Handwerkskammern in NRW beteiligen sich mit eigenen Mobilitätsberaterinnen im Interesse ihrer Betriebe an dem Förderprogramm.
handfest ONLINE: 100.000ste Suchanfrage
Die online Datenbank ausbildungsberechtigter Handwerksbetriebe in NRW verzeichnete Anfang Januar ihre 100.000ste Suchanfrage. Unter www.handfest-online.de können Interessenten per Datenbank ausbildungsberechtigte Betriebe nach Region und Beruf identifizieren. Ein Angebot, das Jugendliche und Betriebe gleichermaßen schätzen. Schnell und komfortabel findet man den passenden Praktikumsbetrieb im gewünschten Ausbildungsberuf.
Die Datenbank läuft seit April 2010. Sämtliche Datensätze werden mehrmals jährlich aktualisiert. Betriebe haben die Möglichkeit, ihre Datensätze durch zusätzliche Angaben zu ergänzen.
Gegenwärtig sind in der NRW-Datenbank 50.685 ausbildungsberechtigte Handwerksbetriebe verzeichnet.
handfest-online wurde ermöglicht mit finanzieller Unterstützung des Ministeriums für Arbeit, Integration und Soziales des Landes Nordrhein-Westfalen und des Europäischen Sozialfonds.
Handwerk NRW präsentiert LGH-Projekt TTH-Ring im Landtag
Vom 8. bis 17. Februar präsentiert das nordrhein-westfälische Handwerk das LGH-Projekt TTH-Ring in der Wandelhalle des Landtags Nordrhein-Westfalen. Best-Practice-Beispiele aus der Zusammenarbeit von Meister und Professor, die bereits vielfach mit dem Seifriz-Preis der Steinbeis-Stiftung ausgezeichnet wurden, werden vor Ort vorgestellt. Ergänzt wird die Ausstellung, welche am 8. Februar 2012 um 9.00 Uhr durch Landtagspräsident Eckhardt Uhlenberg und mit Grußworten von NRW-Wirtschaftsminister Harry Kurt Voigtsberger, LGH-Vorsitzendem Wolfgang Miehle und LGH-/WHKT-Hauptgeschäftsführer Reiner Nolten eröffnet wird, mit Präsentationen von herausragenden Betriebsbeispielen zum Thema Energieeffizienz und Innovation. Entsprechend werden auch die Best-Practice-Beispiele dabei sein, die der WHKT-Arbeitskreis Europa bereits in einer früheren Ausstellung in der Landesvertretung NRW in Brüssel gezeigt hat.
Bulgarische und rumänische Staatsangehörige: Keine Arbeitserlaubnis notwendig für Aufnahme betrieblicher Ausbildung
Die Bundesagentur für Arbeit meldete im Dezember 2011, dass es Ausnahmen für die generelle Arbeitserlaubnispflicht für bulgarische und rumänische Staatsangehörige als EU-Bürger gibt. Die Arbeitserlaubnispflicht entfällt zum 1. Januar 2012 u. a. für die Aufnahme betrieblicher Ausbildungen.
Die volle Arbeitnehmer-Freizügigkeit gibt es erst ab 01.01.2014. Alle wichtigen Informationen zu diesem Thema gibt es auf der Website der Zentralen Auslands- und Fachvermittlung der Bundesagentur für Arbeit unter www.zav.de.
Neu erschienen: Handbuch Ausbildung
In der 4. Auflage erschienen ist das vom WHKT herausgegebene »Handbuch Ausbildung« im Christiani Verlag.
Das Handbuch ist mittlerweile das Standartwerk für jeden, der im Ausbildungsalltag schnell klare Antworten für ausbildungsrechtliche Fragen benötigt. Es beinhaltet die aktuellen Regelungen des neuen BBiG und ist sowohl für das Handwerk als auch für die Industrie geeignet.
Zahlreiche Beispiele, Tipps und Musterschreiben sowie der Anhang mit den wesentlichen Ansprechpartnern, Gesetzestexten und Urteilen machen das Buch zu einem praxisnahen Nachschlagewerk. Das 373 Seiten starke Handbuch von Autor Clemens Urbanek ist unter der ISBN-Nummer 978-3-87125-616-5 erhältlich.
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