Nr. 27/11: 01.09.2011
Fast 40 % des Nachwuchses im Bäckerhandwerk besitzt Migrationshintergrund
Knapp 40 Prozent aller Lehrlinge in den NRW-Betrieben des Bäckerhandwerks besitzen einen Migrationshintergrund. Das heißt, sie selbst, ihre Eltern oder Großeltern sind im Ausland geboren. »Wir Bäcker sind nicht nur kreativ und innovativ. Wir sind von unserer Einstellung her auch offen für alle, die sich einbringen wollen. Damit sind wir auch vorbildlich integrativ. Bei uns zählt nicht, wo man herkommt, sondern wo man hin will!«, so Heribert Kamm, Vorsitzender des Bäckerinnungs-Verbandes Westfalen-Lippe.
Dies ist das Ergebnis einer aktuellen Zufriedenheitsanalyse unter 430 Lehrlingen, die der Bäckerinnungs-Verband Westfalen-Lippe gemeinsam mit dem Westdeutschen Handwerkskammertag durchführte. Befragt wurden Bäcker/innen und Fachverkäufer/innen im Lebensmittelhandwerk aus den Lehrjahren eins bis drei in der Bäckerfachschule in Olpe. Die Auszubildenden besuchen hier ihre überbetrieblichen Ausbildungslehrgänge.
Die Zufriedenheit liegt allgemein hoch. 78 Prozent der Befragten sind mit ihrer Ausbildung zufrieden, 22 Prozent dagegen eher weniger. Damit deckt sich das weitgehend mit einer berufsübergreifenden Umfrage unter 3.546 Lehrlingen im Handwerk, die landesweit im Jahre 2008 durchgeführt wurde.
Vergleicht man die Zufriedenheit der Auszubildenden mit und ohne Migrationshintergrund, ergeben sich insbesondere zwei Auffälligkeiten. Zum einen sind bemerkenswerte Unterschiede in den beiden Extremkategorien »sehr zufrieden« und »sehr unzufrieden« zu finden. Während nur 7 Prozent der Lehrlinge ohne Migrationshintergrund angeben, sehr zufrieden zu sein, sind es unter den Jugendlichen mit Migrationshintergrund 16 Prozent. Bei der Kategorie »sehr unzufrieden« ist es umgekehrt. Hier gibt lediglich 1 Prozent ohne Migrationshintergrund an, sehr unzufrieden zu sein, wohingegen Lehrlinge mit Migrationshintergrund in 4 Prozent der Fälle sehr unzufrieden mit ihrer Ausbildung sind.
Die vom Westdeutschen Handwerkskammertag konzipierte Umfrage gibt neue Erkenntnisse zum Anteil der Auszubildenden mit Migrationshintergrund im Handwerk und stellt dies erstmalig in direkten Bezug zur Zufriedenheit der Lehrlinge mit ihrer Ausbildung. Dieses Befragungsdesign bietet ein großes Potential, um auf andere Berufe übertragen zu werden und gezielt Maßnahmen abzuleiten. In der amtlichen Statistik wird der Migrationshintergrund der Auszubildenden nicht erfasst.
